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Handelserfolg Privatanleger

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Ein eindeutiges Bild

Zahlreiche empirische Studien kommen zum gleichen Ergebnis: Private Investoren sind in der Regel nicht in der Lage durch gezieltes Kaufen und Verkaufen von Einzeltiteln („Stock Picking“) oder das Vorhersagen allgemeiner Markttrends („Market Timing“) systematisch besser abzuschneiden als ein breit gestreuter Marktindex. Im Gegenteil, der Großteil der Privatanleger erzielt mit dieser Strategie sogar empfindlich schlechtere Resultate als der Marktdurchschnitt. Eine aktuelle Analyse aller Transaktionen in Taiwan zwischen 1995 und 2000 kommt zum Beispiel zu der Erkenntnis, dass Privatinvestoren dort im Vergleich zum Gesamtmarkt allein durch ihre Handelsentscheidungen annähernd so viel Geld verlieren, wie sie in Kleidung und Schuhe investieren.2

Verluste erleiden jedoch nicht nur Kleinanleger am anderen Ende der Welt. Eine unterdurchschnittliche Entwicklung der Portfolios von Privatanlegern im Vergleich zu einem breit angelegten Index ist für zahlreiche Länder – inklusive Deutschland – in Studien mit umfassenden Datensets dokumentiert. Einige Ergebnisse werden im Folgenden vorgestellt:

Ursachen der unterdurchschnittlichen Renditen von Privatanlegern

Worin liegen Gründe für das durchweg enttäuschende Abschneiden von Privatanlegern? Die Liste ihrer systematischer Fehler ist lang und hier nur auszugsweise wiedergegeben: Sie halten unzureichend diversifizierte und damit riskante Portfolios, handeln zu häufig und schmälern damit ihre Rendite, und kaufen Aktien, die sich schlechter entwickeln, als die Werte, die sie verkaufen. Teure Fehleinschätzungen wirken sich damit von der Portfoliostrukturierung über die Umschichtungshäufigkeit bis zu konkreten Käufen und Verkäufen einzelner Werte auf nahezu alle Bereiche des Anlageprozesses aus.

Alles auf eine Karte setzen

Anleger neigen häufig dazu, wenige Einzeltitel besitzen, die zudem in Werte des eigenen Heimatlandes und in wenige Industrien konzentriert sind. In einer Untersuchung der Portfolios deutscher Online-Broker-Investoren zwischen 1997 und 2001 kann gezeigt werden, dass auch der durchschnittliche Anleger je nach Betrachtungszeitpunkt nur etwa 4 bis 10 Aktien hält.3 Außerdem sind einheimische Unternehmen das mit weitem Abstand bevorzugte Anlageobjekt deutscher Investoren, wie nachfolgende Grafik illustriert.4

Ein solches Verhalten schafft allerdings vermeidbare Risiken: Der gesamte Portfolioertrag steht und fällt mit dem Abschneiden einiger weniger Einzeltitel, die sich häufig auch noch sehr ähnlich entwickeln. Anleger verzichten damit unnötigerweise auf eine Minimierung des Risikos bzw. eine Maximierung des Renditepotentials: Sie vernachlässigen die Vorteile globaler Diversifikation, die ihnen geeignete Indexanlagen bieten würden.

Hin und her, Taschen leer
Andere Forscher kommen zu der Erkenntnis, dass Anleger „zu“ häufig handeln:5 Die erzielten Brutto-Renditen sind in der Regel nicht ausreichend, um die höheren Kosten – in Form von Kommissionen sowie unterschiedlichen An- und Verkaufspreisen (Geld/Brief-Spanne) – zu decken. Bezeichnenderweise erzielen hier diejenigen Investoren das schlechteste Ergebnis, die im Vertrauen auf scheinbare „heiße Tipps“ von Freunden, Kollegen oder anderen Personen in ihrem Umfeld besonders exzessiv handeln und damit ihre Gebühren in die Höhe treiben.

…und das glückliche Händchen?

Der vorherige Abschnitt legt es bereits nahe – auch beim gezielten Kauf und Verkauf von einzelnen Aktien besteht im Durchschnitt für Anleger wenig Hoffnung auf den großen Wurf. Im Gegenteil: Eine Studie, die fast 100 000 Handelsentscheidungen amerikanischer Discount-Broker-Kunden analysiert, zeigt, dass die Aktien, welche Anleger kaufen, sich in den kommenden 12 Monaten sogar wesentlich schlechter entwickeln als die Werte, die sie verkaufen.6

Die Schlussfolgerungen

Zusammenfassend kommen zahlreiche wissenschaftliche Studien zum gleichen Schluss: Privatanleger schmälern beim Versuch, den Markt zu schlagen, mit zahlreichen systematischen Verhaltensfehlern häufig und regelmäßig ihre Ertragschancen. Eine Möglichkeit, diese Fehler zu vermeiden, stellt eine breit diversifizierte, passive Anlagestrategie dar.

1 Vgl. Jacobs, H., Müller, S. und Weber, M. (2008): Wie diversifiziere ich richtig? – Eine Diskussion alternativer Asset Allocation Ansätze zur Konstruktion eines „Weltportfolios“, Arbeitspapier, Universität Mannheim, als Download erhältlich unter http://medici.bwl.uni-mannheim.de/LS/. Eine kürzere, leicht verständliche Form dieser Arbeit kann zudem unter www.behavioral-finance.de kostenlos heruntergeladen werden.

2 Barber, B.M., Lee, Y.-T., Liu, Y.-J. und Odean, T. (2008): Just How Much Do Individual Investors Lose by Trading?, in Kürze erscheinend im Review of Financial Studies.

3 Glaser, M. (2003): Online Broker Investors: Demographic Information, Investment Strategy, Portfolio Positions, and Trading Activity, Arbeitspapier, Universität Mannheim.

4 Kilka, M. (2008): Internationale Diversifikation von Aktienportfolios: Home Bais in Kurserwartungen und Präferenzen, Europäische Hochschulschriften, Reihe 5, Volks- und Betriebswirtschaft, Bd./Vol. 2323, Peter Lang Verlag.

5 Barber, B.M. und Odean, T. (2000): Trading Is Hazardous to Your Wealth: The Common Stock Investment Performance of Individual Investors, in: Journal of Finance, Vol. 55, Nr. 2, Seiten 773-806.

6 Odean, T. (1999): Do Investors Trade to Much?, in: American Economic Review, Vol.89, Seiten 1279-1298.

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